Köln Acro Yoga 🤸‍♀️

Köln im Januar – Thermalbäder, falsche Bahnen und das erste Mal in der Luft

Wie ich mit einem Alpinisten, einem E-Roller und null Ahnung von Acro Yoga das beste Wochenende des Januars hatte. 

🚂 Verspätung, KI-Schilder und der Gentleman mit dem Sitzplatzproblem

Hannover, 9:28 Uhr. Mein Zug. Pünktlich? Nein. Natürlich nicht. Er fiel sogar ganz aus – ich musste eine andere Verbindung wählen. Die Bahn lässt grüßen. 

Immerhin kam ich in Köln an, ohne einen Anschluss zu verpassen – mit dem Deutschlandticket, also ohne die schnellen Züge, drei Umstiege, viereinhalb Stunden. Man hat ja Zeit zum Nachdenken. Oder Schlafen. Oder beides. 

Tobias fuhr von Dresden aus mit dem Flixtrain – und stellte irgendwann fest, dass dieser sogar in Hannover hält. Hätte er auch mal früher sagen können. Nach dieser Information schrieb er: Er habe einen Platz für mich warmgehalten. Kurz darauf kam die nächste Nachricht: Er sei schon weitergefahren. 

Kurze Gegennachricht von mir: Du lässt mich einfach in Hannover stehen?! 

Gentleman-Punkte: Abzug. Eindeutig. 

Spaß beiseite – ich war ja schon vor ihm unterwegs. Er kam knapp 40 Minuten später – mit Verspätung – in Köln an. Ich fragte nach dem Gleis – und kurz darauf schickte er mir ein KI-generiertes Bild: ich, mit einem Schild auf dem „Tobias" steht, der Kölner Hauptbahnhof im Hintergrund. Und ich hatte Wurstfinger auf dem Bild. Das sind eindeutig nicht meine. Meine Augen können nicht anders – ich schaue mir Bilder immer automatisch ganz genau an. 

Ich fand das Bild und die Idee fantastisch. Mein Plan, wenn ich in Köln ankomme: weißes Blatt und Stift organisieren. Angekommen, direkt in einen Buchladen, ein weißes Blatt Kopierpapier erbettelt, einen schwarzen Filzstift für 2,50€ gekauft – und zack raus. An den Bahnsteig, an der Infotafel das Schild geschrieben: TOBIAS. Schön groß. Schön dick. Gut lesbar. 😄 

Und als ich dann tatsächlich mit diesem handgeschriebenen Zettel am richtigen Bahnsteig stand und ihn damit begrüßte – grinste er so breit, dass man es mindestens bis Bonn gesehen haben muss. Er freute sich sichtlich, machte natürlich sofort ein Foto – und irgendwo existiert jetzt ein Vorher-Nachher-Vergleich: KI-Bild versus Realität. 

🏨 Eingecheckt, falsch abgebogen und trotzdem angekommen

Köln. Fremde Stadt. Straßenbahn. Was könnte schiefgehen? 

Viel. 

Wir stiegen in die falsche Bahn. Fuhren in die falsche Richtung. Stiegen aus, fuhren zurück zum Hbf. Stiegen dabei in die richtige Bahn – nur leider wieder in die falsche Richtung. Drei Stationen. Wieder ausgestiegen. Sechs Stationen zurück, weil wir drei Stationen zum richtigen Umsteigeort brauchten. Dort suchten wir dann noch verzweifelt den Zugang zur U-Bahn. 

Irgendwann kamen wir an. 

Das Hotel: mini, süß, perfekt ausgestattet, Bett unerwartet bequem. Genau das, was man braucht – und eine willkommene Belohnung nach der Bahn-Odyssee. 

Beim Einchecken musste Tobias einen Zettel ausfüllen. Name. Reisezeitraum. 

Er schrieb: 30.1 – 01.12.2026. Ich schaute kurz auf den Zettel, dann auf ihn. 

„Willst du das ganze Jahr bleiben?" 

Er schaute auf den Zettel. Kurze Pause. Ich musste innerlich so lachen. 

Die Rezeptionistin reagierte mit der professionellen Gelassenheit eines Menschen, der schon alles gesehen hat. 

Wir legten unsere Sachen ab, machten einen kurzen Raumcheck und gingen wieder in die Stadt - wollten den Kölner Dom anschauen. Tobias wollte den falschen Bahnsteig nehmen – ich ließ es nicht zu. Navigation ist offenbar keine unserer Kernkompetenzen. Aber hey – wir sind immer irgendwo angekommen. Meistens sogar dort, wo wir hinwollten. Irgendwann. 😄 

Den Kölner Dom und die Rheinbrücke schafften wir noch – das Wetter war aber so ungemütlich, dass wir schnell beschlossen: zurück, Badesachen schnappen, Thermalbad. 

Gut so. 


🍔 Der Hornochse – oder: Tobias und die Fleischphilosophie

Vor dem Thermalbad gab es erst mal Burger. Wir gingen zum Hornochse – einfach, stylisch, genau das Richtige nach einer Bahn-Odyssee und dem ungemütlichen Wetterempfang. 

Tobias bestellte einen Chili-Cheese-Burger. Mit extra Fleisch. 180 Gramm. Dazu Chicken Nuggets mit Pommes. 

Dazu. 

Nach wie vor ein Fass ohne Boden – und zwar ein sympathisches. 

Wir teilten außerdem Pommes mit Trüffelsoße und Parmesan. Schlicht: göttlich. Und die hausgemachte Joppie-Soße dazu – ein mysteriöses Gebräu, das wir gemeinsam versuchten zu entschlüsseln: Avocado? Curry? Zitrone? Senf? Wahrscheinlich alles. Wahrscheinlich noch mehr. 

Ich bestellte einen Burger mit Bergkäse, 110 Gramm – und saß gegenüber wie eine zivilisierte Person. 

Was Tobias allerdings so gar nicht gelten ließ. Als ich zum Besteck griff und meinen Burger damit essen wollte, war er so entsetzt, dass er das sofort mit einem Foto festhalten musste. Burger mit Messer und Gabel. Dokumentiert. Für die Nachwelt. 

Der einzige kleine Makel des Abends: der Toilettenbereich. Gefühlt Außentemperatur. Kein warmes Wasser – kalt, kälter, und eine dritte Stufe, für die es noch keinen Namen gibt. Ich vermute, die Heizkosten wurden dort eingespart, damit die Burger so gut sein können. 

Würde ich trotzdem empfehlen. Ohne Wenn und Aber. 


🛴 E-Roller, Schlaglöcher und ein sehr glücklicher Mann

Nach dem Essen: E-Roller. Tobias' erste Fahrt überhaupt. Ich habe mein Leben wieder in seine Hände gegeben. Mal wieder. 😛 

Wir waren beide offensichtlich zu unbedarft, das Ding anzubekommen, und fragten einen jungen Mann – der uns auch nicht wirklich weiterhalf. Plötzlich fuhr Tobias einfach los. Ich sprang drauf. Und dann rollte es. 

Wir fuhren erst mal zu weit. Dann wussten wir beide nicht, wie man das Ding abstellt. Wir eierten herum, bis wir in einer bestimmten Zone waren, um es parken zu können. Irgendwann finden wir es immer raus. So läuft das bei uns. 

Den letzten Teil der Strecke liefen wir zu Fuß – und das war ehrlich gesagt wunderschön. Köln bei Nacht, die Skyline, der Rhein direkt davor. Eine Strecke, die wir mit der Bahn nie so gesehen hätten. 

Im Thermalbad angekommen – spontan, ohne Vorabbuchung, entspannt. Direkt vor Ort entscheiden: nur Thermalbad oder auch Sauna. Der Empfang: freundlich, sauber, einladend. 

Erstes Ziel: Außenbecken.  Tobias' Reaktion beim Einsteigen: „Das ist voll warm." 

Er hatte sich offensichtlich ein Eisbad erhofft. Ich fand es sehr angenehm. Das Universum hatte halt für uns beide etwas anderes geplant. 

Wir probierten den Strömungskanal – lustig. Den Whirlpool. Die Massagedüsen. Und dann: eine Außendusche mit ausschließlich Kaltwasser. Tobias stand in null Komma nix darunter und sah dabei aus wie der glücklichste Mensch auf dem Planeten. 

Danach das Kneipp-Becken. Ein Gang kalt, ein Gang warm. „Kalt" war an diesem Abend allerdings eher relativ – Tobias legte im zweiten Durchgang kurzerhand auch noch den Rest seines Körpers ins kalte Wasser. Einfach so. Als wäre das völlig normal. 

Dann: warm-kalt-Wechsel. Kalte Becken, heiße Becken, wieder kalt. Das heiße Becken war wirklich sehr heiß. In der Nähe stand ein Trinkwasserbrunnen. Neugierig probiert – pfui. Richtig pfui. Das Wasser, das in den Mund kam, ging sofort wieder zurück in den Becher. 

Weiter zum Therapiebecken mit Schwimmnudeln. Schwimmnudeln sind unterschätzt. Damit kann man wirklich vieles machen – Quatsch machen, entspannen, Architekturen bauen. Tobias hatte am Ende acht Nudeln gleichzeitig im Einsatz, die aus allen Seiten rausragten. Er war sehr zufrieden. 😄 

Irgendwann fanden wir noch die Dampfgrotte und die Textilsauna – und danach direkt ins Saunadorf. Drei Saunen, ein Außenbecken, ein Schwebebecken. Beides zeitweise ganz für uns allein. 

Um 23:30 Uhr mussten wir raus. Das Bad schloss um Mitternacht. 

Roller gefunden, Heimweg. Auf einer der Brücken über den Rhein führte eine steile, spiralförmige Rampe nach oben. Tobias nahm Anlauf – nur der Roller hatte nicht ganz die Kraft dafür und ließ nach. 

Ich stand noch drauf. Tobias gab weiter Gas – und zog uns gleichzeitig mit Fuß und Hand zusätzlich nach oben. 

Was folgte, war ein Lachanfall, bei dem ich kurz ernsthaft befürchtete, vom Roller zu fallen und mir in die Hose zu machen. Kein zierliches Kichern. Ein echter, unkontrollierbarer, tränenreicher Lachflash. Das Bild war einfach zu absurd. 

Tobias grinste.

Ich war außer Gefecht. 

Er hat es bis ganz oben durchgezogen. Respekt. 😄 

Im Dunkeln nahm er gefühlt jedes Schlagloch mit, mein Bein verkrampfte sich mehrfach irgendwo zwischen Mineralquelle und Hoteleingang. 

Trotzdem: einer der entspanntesten – und lustigsten – Abende seit Langem. 

🤸 Acro Yoga – oder: Wie ich das erste Mal in der Luft war

Am nächsten Morgen: kein Wecker. Kein Plan. Kein Muss. 

Gegen Mittag fuhren wir mit dem Roller zum Acro Yoga Workshop. Das war der eigentliche Grund, warum wir nach Köln gefahren sind. Auf dem Weg versuchte eine Bordsteinkante, uns noch schnell vom Roller zu werfen. Fast gelungen. Aber nur fast. 

Acro Yoga. Klingt nach Leichtigkeit, Vertrauen, vielleicht einem sanften Schweben. 

Ich hatte null Erfahrung. Wirklich null. Ich wusste grob, dass man dabei auf jemand anderem balanciert – oder jemand anderes auf einem selbst. Das war es auch schon an Vorwissen. 

Was ich nicht wusste: Wie viel Körperspannung, Kommunikation und Vertrauen dahinterstecken. Wie präzise die Absprachen sein müssen. Die Realität war dann weniger sanftes Schweben und mehr: Aua. Ziehen. Klappt das? Oh Gott. Ich falle. Hält er mich? – gefolgt von einem kollektiven Wow am Ende. 

Wir waren sieben Personen und zwei Trainer. Viele Positionen wurden ausprobiert, vieles konnte man mit Hilfe tatsächlich umsetzen. Man sieht einen Menschen anders, wenn man buchstäblich von ihm getragen wird. Oder wenn man selbst derjenige ist, der trägt. 

Es war neu, es war wackelig, es war manchmal wirklich herausfordernd – und gleichzeitig eines dieser Erlebnisse, bei denen man hinterher denkt: Das will ich wieder machen. 

🧗 Stuntwerk – Ninja Warrior, Baumhaus und Tunnel

Nach dem Workshop: kurz ins Hotel, dann weiter zur Boulderhalle Stuntwerk. Keine gewöhnliche Boulderhalle. 

Ninja-Warrior-Parcours. Ein echtes Baumhaus. Tunnel. Verschiedene Ebenen, Herausforderungen, Kurven – man fühlte sich ein bisschen wie ein Kleinkind auf einem sehr ambitionierten Spielplatz. Nur mit mehr Muskeln. Oder zumindest dem Anspruch, welche zu haben. 

Nach dem Workshop hatte ich kaum noch Kraft in den Armen – was das Klettern zu einem sehr ehrlichen Erlebnis machte. Wir kletterten, lachten, versuchten Dinge, schafften manche, scheiterten bei anderen. Und in der Kinderabteilung? Rutschen. Baumhaus hochklettern. Durch Tunnel krabbeln. 

Ich bereue nichts davon. 😀 

🍕 La Osteria, Restpizza zum Frühstück und ein Horrorfilm ohne Ende

Nach dem Bouldern rief der Hunger. Um 22 Uhr landeten wir bei La Osteria. Eine Antipasti-Vorspeise, je eine Pizza – 40 cm Durchmesser, italienisch, genau richtig. 

Was übrig blieb, kam mit ins Hotel. 

Danach schauten wir noch einen Horrorfilm. Tobias schlief ein. Offensichtlich zu lasch für ihn. Irgendwann schlief ich auch ein. Das Wochenende ließ sich einfach so ausklingen – warm, satt, entspannt. 

Und am nächsten Morgen gab es Pizza zum Frühstück. 

🧳 Koffer, Keller und die große Hetzerei

Auschecken bis 11 Uhr. Koffer gepackt, Zimmer geräumt. Die Bahnfahrt zum Hauptbahnhof: diesmal fehlerfrei. Man lernt dazu. 

Dort dann das Gepäcksystem entdeckt: Koffer ablegen, auf etwas drücken, der Koffer fährt in den Keller. Weg. Ich habe das mindestens dreimal zu lange angestarrt. So simpel. So faszinierend. 

Ohne Gepäck: das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud. Zu Fuß, wunderbar. Wir hatten allerdings nur begrenzt Zeit – der zweite Acro Yoga Workshop wartete. 

Auch dort wieder neue Figuren, eine andere wechselnde Person in der Gruppe, neue Herausforderungen. Nach dem Workshop schnell die Roller geschnappt, zurück zum Hbf – und erstmal noch einen Abstellplatz für den Roller gefunden. 

Und dann: nur noch 15 Minuten bis zur Abfahrt. Koffer noch im Keller. Gleis noch nicht erreicht. 

Wir sind gerannt. 

Gesprungen, gehetzt, geflitzt – mit dem freudigen Chaos von zwei Menschen, die sich keine Mühe geben, entspannt auszusehen. Es gibt ein Bild davon. Es ist dokumentiert. Es ist ehrlich. 


Gepäck aus dem Keller, Gleis gefunden, Zug erreicht – und sogar noch Zeit gehabt, Snacks und Getränke zu holen. 

Geschafft. 😄 

✈️ Auf Wiedersehen, Köln

Im Zug saß ich dann da. Müde. Glücklich. Leicht verkrampft vom Roller. Mit noch einem Lachen im Gesicht, das sich über das Wochenende einfach festgesetzt hatte. 

Köln war nicht geplant als große Reise. Kein exotisches Ziel, kein wilder Abenteuertrip. Nur ein Wochenende. Nur eine Stadt. Nur zwei Menschen, die keine Ahnung haben, wie man Straßenbahn fährt – und das offensichtlich nicht weiter schlimm finden. 

Aber genau das ist es doch, oder? 

Es kommt nicht auf das Ziel an. Es kommt nicht mal auf den Plan. Es kommt darauf, mit wem du die falschen Bahnen nimmst, wer neben dir steht wenn du mit einem handgeschriebenen Schild am Bahnsteig wartest – und wer dich zum ersten Mal in deinem Leben in der Luft trägt. 

Das ist Tobias. Und das waren drei Tage Köln im Januar. 

Ich will mehr davon. 😄  


🎒 Meine Learnings

Manchmal braucht man keinen großen Plan. Manchmal reichen ein Schild aus Kopierpapier, ein Edding für 2,50€ und ein Mensch, dem man einfach vertraut. 

Aber wenn ich ehrlich bin, steckt da noch mehr drin – Dinge, die ich nicht nur aus Köln mitnehme, sondern die einfach zeigen, wie ich bin und wie ich arbeite. 

Wenn Pläne wegbrechen, fange ich an zu denken.Ausgefallener Zug? Andere Verbindung gesucht und gefunden. Kein Schild, kein Stift? Buchladen, 2,50€, erledigt. Ich werde nicht starr, wenn Pläne wegbrechen – ich suche sofort den nächsten Weg. Das ist keine Reiseeigenschaft. Das ist Haltung. 

Ich kommuniziere – auch wenn es wackelig wird. Acro Yoga hat mir das sehr konkret gezeigt: Vertrauen entsteht nicht einfach so. Es entsteht durch klare Absprachen, durch Aufmerksamkeit, durch das Einlassen auf das Unbekannte – auch wenn man keine Ahnung hat, was als nächstes kommt. Genau das braucht es auch im Team: ehrliche Kommunikation, auch wenn man sich noch nicht kennt. 

Ich bleibe offen – für Menschen, für Situationen, für Überraschungen. Der schönste Moment des Wochenendes war kein geplanter. Er entstand einfach – weil ich nicht auf dem Plan bestand, sondern auf den Moment reagiert habe. Diese Fähigkeit, spontan umzudenken und aus jeder Situation das Beste zu machen, ist das, was mich antreibt. Privat. Und beruflich. 

Ich bringe Energie mit – und Humor. Weil beides ansteckend ist. Weil Teams, die lachen können, besser zusammenarbeiten. Und weil ein Mensch, der auf einer Spiralrampe einen Lachanfall bekommt und trotzdem oben ankommt, definitiv teamfähig ist. 😄 

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